Sex in seinen schönsten Farben

Sex ist so, so spannend. Ich denke mir das immer wieder. Und ich bin verdammt gespannt, was da noch alles auf mich wartet, irgendwo schlummert und entdeckt werden will. Vor etwa drei Jahren habe ich zum Beispiel das erste Mal eine Farbe gesehen während eines Orgasmus. Im Moment des Kommens ein leuchtendes Rot oder ein tiefdunkles Violett. Genau erklären konnte ich mir das nicht. Aber weiter nachgeforscht habe ich nicht, woher das denn kommen könnte. Ich konnte halt sagen, welche Farbe der Orgasmus hatte. Das war merkwürdig, schön und spannend zugleich. Dass bei manchen Leuten jede Zahl eine bestimmte Farbe hat, hatte ich schon gehört. Wieso also nicht auch meine Orgasmen? Aber auch nicht jeder Orgasmus hat seit dem eine Farbe. Oft sind es die intensiven, die komplett unkontrollierten, die man, selbst wenn man wollte (Konjunktiv!), nicht mehr unterdrücken könnte. Irgendwann kamen dann Texturen dazu (ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Ausdruck dafür ist. Im Englischen gibt es das Wort texture, das definitiv beschreibt, was ich meine; die Struktur, Beschaffenheit, Oberfläche der Farbe, so in etwa, wie wenn man sagen wollte, wie ein Stoff aussieht). Erklären lässt sich das zwar schlecht, aber in meinem Kopf entsteht ein genaues, wenn auch schwer greifbares, Bild.

Bis ich den Blogeintrag „Sex on Synaesthetica“ auf Nerdcore gelesen habe, hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, dass es auch anderen Menschen so gehen könnte. Aber ganz offensichtlich gehöre ich damit wohl zu den Leuten, die synästhetische Erfahrungen haben; Situationen, in denen zwei Sinneswahrnehmungen miteinander verknüpft werden. Beispielsweise Zahlen hören, Musik schmecken – und scheinbar auch Orgasmen sehen. Noch spannender: Selbst dieses „Sehen“ während der Orgasmen scheint sich weiter zu entwickeln. So habe ich vor einem Jahr zum ersten Mal ein richtiges Bild gesehen, eine Szenerie wie auf einem Foto. Es war eine Straßenkreuzung, ganz banal. Ich kannte die Straßenkreuzung. Ich bin in der Zeit öfter dort vorbeigefahren. Nie aber hätte ich diesen Ort mit etwas Erotischem – oder sonst einer bestimmten Erinnerung oder Erfahrung – verbunden; eine einfache Straßenkreuzung. Weshalb also diese Assoziation, ist mir rätselhaft. Es ist bislang das einzige Bild und seit dem einige Mal wiedergekehrt. Sobald es sich vor mein inneres Auge schiebt, weiß ich dann, dass sich ein Orgasmus anbahnt.

In dem Blogpost heißt es: „Laut der Studie hat sich schon früher gezeigt, dass sexuelle Stimulation Auslöser von synästhetischen Erfahrungen bei Nicht-Synästheten sein kann und darüber hinaus haben Synästheten einen höheren sexuellen Appetit, sind allerdings auch etwas frustrierter, da die Partner nicht dieselben bewusstseinserweiternden Erfahrungen machen.“ Ganz offensichtlich scheint Sex bei mir synästhetische Erfahrungen zu triggern. Im Alltag habe ich noch nichts in diese Richtung erlebt, obwohl es mir schon immer leicht fiel Assoziationen zu finden – vor allem was Gerüche angeht. Über einen hohen sexuellen Appetit verfüge ich auch. Das stimmt. Ich weiß nur nicht, ob das denn tatsächlich mit den synästhetischen Erlebnissen zu tun hat. Auch bevor ich Farben gesehen habe, mochte ich Sex. Auch wenn ein Orgasmus keine Farbe hat, kann er ein großer sein. Mir scheint, dass sich das viel mehr umgekehrt bedingt. Weil ich Lust und Spaß an Sex habe, mich fallen lassen kann, erlebe ich vielleicht intensiver, fällt es mir nicht so schwer Orgasmen zu bekommen. Und natürlich habe ich mehr Lust auf etwas, das mir durch und durch Spaß macht. Deshalb verstehe ich den letzten Punkt im Zitat auch nicht ganz. Wieso frustrierter? Klar, wenn einer von beiden den Sex intensiver erlebt, wünscht er sich für den anderen ein ähnlich tolles Gefühl. Bleibt das aus, ist die eigene Erfahrung auch nur noch halb so schön. Bislang hatte ich aber immer das Gefühl – und habe das auch so gesagt bekommen – dass die Männer, mit denen ich geschlafen habe, merken wie sehr ich genieße und es dadurch selbst viel mehr tun. Auch wenn ich tatsächlich noch von niemandem gehört habe, welche Farbe sein Orgasmus hatte. Das wäre sicherlich ein schönes Feature, aber auch wenn es interessant und spannend ist die Farbe und Textur eine Höhepunkts zu sehen, aber es macht den Sex oder Orgasmus an sich nicht toller.

Trotzdem: Es macht Spaß. Und ich bin gespannt, ob es noch mehr Bilder werden oder sie häufiger und in anderen Situationen ausgelöst werden können.

In diesem Sinne; vielleicht bald mit noch mehr Sinnen.

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