Rache ist – scheiße.

„Rachepornos“ – allein schon traurig, dass es dafür ein eigenes Wort gibt (bzw. geben muss „because it’s a thing!“). Schlimmer noch, dass es so ein unpassendes ist: Das Wort Rache lässt vermuten, dass es eine Schuld bei dem- oder derjenigen gibt, der/die Ziel eben jener Rache ist. Es impliziert, wer Opfer eines Rachepornos ist, ist jemand, an dem sich gerecht wird – vielleicht sogar werden darf?

Genau dieses Schuldgefühl und die Stigmatisierung sind es, was den Betroffenen (im Übrigen zu 90 Prozent Frauen – surprise!) zu schaffen macht: Das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben. Wie auch bei anderen Formen von sexueller Gewalt – und nichts anderes ist es, wenn von einer Person gegen ihren Willen und ohne Zustimmung explizite Bilder ins Internet gestellt werden – fällt es den Opfern oftmals schwer die Tat zu benennen. Allein solche Fotos gemacht zu haben ist ja schon Frevel genug!

Dass intime Fotos, die mit gegenseitigem Einverständnis entstanden sind, nicht nur Zeugnis von Leidenschaft, sondern auch tiefem Vertrauen sein können, ist noch weit davon entfernt, gesellschaftlich anerkannt zu sein. Umso wichtiger, dass Vice Broadly Frauen zu Wort kommen lässt, die selbst Opfer dieser Form des Missbrauchs geworden sind und nun offen darüber reden.

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Frauen – Bilder

Der Horror wohl jeder, die schon mal Nacktfotos von sich hat machen lassen; die Bilder irgendwann im Internet, offen und frei zugänglich für jedermann, wieder zu finden (vielleicht auch eines jeden, obwohl ich das eher für den selteneren Fall halte). Der Schwedin Emma Holten ist das passiert. An einem Tag im Oktober vor drei Jahren bekam sie Nachrichten von fremden Männern mit Bildern von ihr, aufgenommen im Privaten, von Exfreunden. Bilder die für zwei Menschen gedacht waren, nicht für eine Internetcommunity. Bilder die mit Einverständnis entstanden sind, aber ohne Einverständnis veröffentlicht wurden.

Fragen, ob ihre Eltern wüssten, dass sie eine Schlampe sei, ob sie gefeuert wurde und Aufforderungen mehr Bilder zu schicken waren in den Nachrichten. Sie wurde zum Objekt fremder Männer, sie hatte die Kontrolle verloren und war zum gefundenen Fressen für Männer unterschiedlichster Herkunft geworden.

„I was a fallen woman, anyone’s game. What was I aside from a whore who had got what she deserved?“

Emma entschied sich für einen Weg aus der Machtlosigkeit, schrieb ihre Geschichte für HYSTERIA auf und wagte mit der Photographin Cecilie Bødker den Versuch neuer Bilder, die diesmal mit ihrer Zustimmung veröffentlicht werden sollten. Es sind Bilder entstanden, die sie nicht mehr nur als Lustobjekt zeigen, sondern als Mensch, als Mensch mit Sexualität und Körper. Es sind schöne Bilder – mutig und ruhig.

Hier könnt ihr selbst lesen, was Emma darüber schreibt, wie es ihr in der Zeit nach der Veröffentlichung der ungewollten Bilder ging (auf Englisch).

Wirkt sich Gleichberechtigung negativ auf unser Sexualleben aus?

Diese Frage stelle nicht ich, sondern unlängst erst der Stern. Vor rund einem halben Jahre wartete die New York Times schon mit einem Artikel ähnlichen Tenors auf – Und war damit die Initialzündung für meinen Blog. Sehr verkürzt zusammen gefasst erzählt die Autorin des NYT-Artikels davon, wie sich ein gleichberechtigter Ehe-Alltag negativ auf das Sexualleben auswirke. Und negativ ist hier erst einmal nur quantitativ zu verstehen, sprich die Paare hätten anderthalbmal weniger Sex (was die Frage nach der Qualität natürlich überhaupt gar nicht berücksichtigt und auch nicht wirklich versucht wird zu klären).

Als Beispiel nennt die Autorin, die auch als Sexualtherapeutin arbeitet, ein Paar, dass die Aufgabenverteilung in der Ehe gleichberechtigter gestalten wollte. Im Klartext: Er saugt und putzt auch mal. Beide waren danach glücklicher in ihrer Beziehung zueinander – nur leider nicht im Schlafzimmer. Wenn er wie sonst verschwitzt vom Sport ins Schlafzimmer kam, dachte sie nicht daran ihm die Kleider vom Leib zu reißen, sondern dass er noch immer nicht Staub gesaugt hatte.

Ein guter Freund schickte mir damals den Artikel. Ich bekam mich beim Lesen gar nicht mehr ein. So viel Unsinn hatte ich lange nicht gelesen. Auch wenn in dem Artikel viele interessante und mit Sicherheit auch richtige Dinge angesprochen werden, übersieht die Autorin meines Erachtens nach, dass das Problem so einfach nicht zu erklären ist (auch wenn ihr Ansatz überhaupt nicht schnell erklärt ist, immerhin holt sie ganz schön aus für ihren Artikel).

Meine spontane Reaktion auf den Artikel – und die Antworten meines Kumpels – war damals folgende:

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Nachdem ich den Artikel jetzt noch einmal gelesen habe, bleibe ich dabei. Das Problem ist nicht per se einer der Gleichberechtigung. Es ist viel mehr eines der mangelnden Abgrenzung. Ich kann mir genauso gut vorstellen, dass Paare, die zusammen arbeiten (ob nun auf gleicher Position oder nicht), ähnliches erleben. Wo immer Verantwortung geteilt wird, wird die Zärtlichkeit weniger – das ist in Freundschaften, WGs und vor allem wohl Familien so.

 Und auch wenn der aktuelle Stern-Artikel zum Thema nicht wirklich gut, ziemlich platt und ein Abklatsch des Artikels der NY Times ist (man beachte das Bild zum Text), stimme ich folgender Aussage doch zu: „David Schnarch stellt seit Jahrzehnten klinische Studien mit Paaren an. Er empfiehlt vor allem Autonomie, wenn eine Liebesbeziehung ihren erotischen Reiz bewahren soll. In alte Rollenklischees müssen Männer und Frauen deshalb nicht zurückfallen. „Differenzierung“ ist das Zauberwort (…).“ Damit wir füreinander interessant sein können und bleiben, müssen wir uns gegenseitig bewundern können. Zumindest geht mir das so.

Denn Gleichberechtigung heißt ja eben nicht gleich sein.

In diesem Sinne; mehr Gleichberechtigung und weniger Gleichheit!

Digitale Sexuelle Revolution!?

Es gibt sie! Frauen, die öffentlich über Sex und Pornografie sprechen!

Die Bloggerin Journelle hielt auf der diesjährigen re:publica einen empfehlenswerten Vortrag über die Digitale Sexuelle Revolution. Das Internet ist voller Porno, die Jugend verdirbt, die Gesellschaft verroht und Sex bleibt doch oft mehr Gedanke als Spielerei? Nicht doch, würde Journelle rufen. Im Gegenteil. Das Internet bietet nicht nur einfach Porn, sondern auch das, was sie Social Porn nennt. Heute haben wohl so viele Menschen Zugang zu Pornografie, wie nie zuvor. Das ermöglicht aber nicht nur das Anschauen, von kleinen Filmchen auf einer der bekannten Seiten, sondern auch den Austausch über Sex, Vorlieben und Erfahrungen. Unabhängig von Alter, Geschlecht oder sexueller Ausrichtung können Menschen Gleichgesinnte, Verständnis und Inhalte, die ihnen entsprechen, finden. Wen interessiert, aus welchen weiteren Gründen Journelle die digitale sexuelle Revolution ausruft, dem sei die gesamte Aufzeichnung des Vortrags empfohlen:

In der überwiegenden Mehrzahl der Punkte, die Journelle anspricht, kann ich ihr absolut zustimmen. Ich gehöre wohl zu der letzten Generation, die vor den „digital natives“ geboren wurde, und hatte einen eigenen Computer erst nach den ersten Selbsbefriedigungsversuchen. Vorher gab es auf dem winzigen Fernseher, der in meinem Zimmer stand, Freitagnacht ab zwölf Softpornos auf Vox oder sexy Sportclips auf DSF (jawohl werte Männer, das haben auch die Mädchen geschaut! Gab ja nichts anderes…). Das war in Ordnung. Es war spannend, fühlte sich ein bisschen verboten an und war ein kleines Highlight der Woche. Aber selbst als ich dann irgendwann einen eigenen Computer hatte, dauerte es lange, lange gedauert bis ich mich getraut habe irgendwelche Pornoseiten zu besuchen. Viel zu groß war die Angst vor einem Virus oder Trojaner, dessen Herkunft ich unter hochrotem Kopf hätte erklären müssen. Oder die Unkenntnis, wie man einen Verlauf richtig löscht bzw. verhindert, dass er überhaupt erst erstellt wird. Das ist sicherlich ein Punkt, der Jugendlichen, die mit Computern, Internet und Smartphones groß geworden sind, nicht passieren wird.

Dennoch glaube ich nicht, dass der Zugang zu Pornografie ausschließlich dazu führt, dass Jugendliche verunsichert werden und vollkommen falsche Erwartungen davon erhalten, was beim ersten Mal auf sie zukommt. So wenig wie Pornos die Realität eines Jugendlichen widerspiegeln, so wenig sind sie die einzige Quelle, die sich bietet. Gerade was Aufklärung angeht, unterschätzen, glaube ich, all jene, die es in sexueller Hinsicht als Gefahr für junge Menschen sehen, das immense Potential des Internets. Der YouTube-Channel 61MinutenSex zum Beispiel hat den Bedarf der Jugendlichen erkannt und bietet mit informativen Videos Tipps rund um Masturbation, Blasen, Lecken, Fingern, Intimrasur und was ehemalige Jungfrauen und -männer, und solche die es werden wollen, sonst noch so verwirrt. Und obwohl es zu meinen Teenie-Zeiten dieses Angebot noch nicht gab, tat das Internet doch einiges um meine Neugier und Interesse in Sachen Sex und Frausein zu stillen. Chats und Foren auf Internetseiten, wie beispielsweise die der Jugendzeitschrift Mädchen, klärten Fragen, die ich mit meiner Mutter oder Freundinnen dann lieber doch nicht besprechen wollte. Damit trugen sie sicherlich erheblich dazu bei, dass ich heute so offen mit dem Thema umgehen kann.

In diesem Sinne: Vive la révolution!

 

 

Feministischer Porno

Ich schaue Pornos. Klar. Es gibt zwar genügend Frauen, die das nicht tun, aber das ist mir ähnlich unbegreiflich wie Frauen, die nicht masturbieren (und davon gibt es leider viel zu viele! Nina Hagen würde die Hände überm Kopf zusammen schlagen, wüsste sie, dass es noch immer Mädels gibt, die seit Jahren Sex haben, nie mit sich selbst gespielt und sich entdeckt haben und dann noch wundern, wenn das mit dem Orgasmus nichts wird). Aber die Kiste mit den Pornos ist schon keine einfache. Bis der richtige Film auf einer der einschlägigen Seiten gefunden ist, kann es bei mir schon mal eine Weile dauern. Ich möchte keine künstlichen Fingernägel oder Silikonbrüste sehen. Leuten beim Sex zuzuschauen, denen man auch gleich „dämlich“ auf die Stirn schreiben könnte, finde ich auch nicht wirklich geil. Und eine dumme Story (nackte Frauen entern mit Maschinengewehren eine Yacht – WTF?!) bringt mich auch eher zum Kopfschütteln als zum Beben.

Ich klagte einem Freund mein Leid. „Feministischer Porno“, war die Antwort, „versuch’s mal damit.“ Ästhetischer Porno von Frauen für Frauen. Ein paar Tage später bekam ich zwei Filme: „Life Love Lust“ und „Cabaret Desire“ von der schwedischen Regisseurin und Filmmacherin Erika Lust. Ich war gespannt. Und wurde enttäuscht. Die Filme sind schön gemacht, keine Frage. Schöne, ästhetische Bilder. Aber ziemlich schnell ging ich zum Vorspulen über, bekam dann fünf Minuten Sex zu sehen, bei dem ich aber nicht wirklich viel sah. Keinen Penis, keine Muschi, nur zwei nackte Menschen, die es miteinander trieben. Zumindest hoffe ich das, wirklich verifizieren konnte ich das nämlich nicht. Auch spätere Sexszenen folgten diesem Schema: Kurz und wenig. Softporno würde ich das nennen. Vielleicht feministischer Softporno. Wenn ich einen Porno anschaue, möchte ich aber bitte etwas mehr sehen. Ich will Schwänze und Muschis sehen. Ich will sehen, wie er in sie eindringt und das Ganze nicht nur erahnen. Wenn ich schon selbst keinen Sex habe, dann sehe ich ihn auch gern aus den Perspektiven, die mir andernfalls nicht möglich sind (Wann sehe ich denn beispielsweise, wie er in mich eindringt, wenn ich auf dem Rücken liege, außer es hängt ein Spiegel über dem Bett oder man nimmt mal eine Kamera in die Hand?). Das ist nicht immer ästhetisch. Das ist dreckig. Aber so gehört Sex. Und das will ich auch sehen. Wenn schon, denn schon!

Die beiden Filme waren also leider nicht meins. Dennoch: Feministischer Porno. Das klingt gut. Ich werde dem ganzen noch eine Chance geben und mich auf die Suche nach Expliziterem Material machen. Seit 2009 gibt es sogar einen Award für feministische Pornographie: „PorYes“. Der wird sicherlich eine ganz gute Inspirationsquelle bieten. Hier findet sich ein interessantes Interview mit der Initiatorin des Preises Laura Méritt.

Und um auf den Geschmack zu kommen, hier noch ein kurzer Beitrag von arte zum Thema.