Die Droge der modernen Frau – Ein Entzugsbericht

Ich hab Schluss gemacht! Seit etwa einem halben Jahr nehme ich die Pille nicht mehr. Stattdessen habe ich mir eine (Kupfer-)Spirale setzen lassen. Ich hatte schlichtweg keine Lust mehr darauf fast täglich eine Ladung Hormone durch meinen Körper zu schicken, ihm so eine Schwangerschaft vorzugaukeln und letztlich nicht genau zu wissen, was für Konsequenzen die jahrelange Einnahme haben kann. Dazu die Nachricht, dass die Pille, die ich jahrelang genommen habe, in Frankreich verboten wurde. Nein, danke.

Also wollte ich etwas ohne Hormone. Die Spirale kam mir ziemlich schnell in den Sinn. Meine Mutter hat selbst schon vor meiner Geburt damit vehütet – und tadaaa: Ich bin beim nächstmöglichen Zeitpunkt entstanden – natürlich erst nachdem sie die Spirale wieder entfernen ließ. Oft hört man ja, dass eine Spirale erst etwas für Frauen sei, die schon ein Kind geboren haben. Aber nach einem Gespräch mit meiner Frauenärztin, die bestätigen konnte, dass an diesem Vorurteil heutzutage rein gar nichts mehr dran sei und einiger Recherche, hatte mich auch sonstige Skepsis verlassen.

Ich will nicht lügen: Das Einsetzen war zwar nicht gerade angenehm, aber dafür, dass ich am Abend wieder lachen konnte, die nächsten drei bis fünf Jahre nicht mehr an die Pille denken und (außer über irgendwelche Nahrungsmittel) keine Hormone mehr einnehmen muss, hat es sich dann doch gelohnt.

Und dann war ich gespannt. Was wird jetzt mit meinem Körper passieren, dem eigenen Befinden, der Haut, der Regel? Aus Erfahrungsberichten hatte ich gelesen, dass sich einige Frauen fühlen als hätte jemand einen Schleier von ihnen genommen, andere hatten wieder mehr Lust auf Sex und ich fürchtete schlechter werdende Haut. Drei bis sechs Monate soll es wohl dauern bis die Hormone vollständig abgebaut sind und der Körper wieder ganz „von allein“ funktioniert.

Sechs Monate später kann ich sagen: So großartig anders fühle ich mich erst einmal nicht. Meine Haut ist schlechter geworden, was zu erwarten war. Schließlich bin ich gerade so etwas wie ein Drogenjunkee auf Entzug. Aber auch die wird langsam wieder besser.

Meine Lust auf Sex hat sich nicht groß verändert. Das hatte ich aber auch nicht erwartet. Mit der Lust hatte ich bislang eigentlich nie ein Problem. Dass Frauen in der Regel weniger Lust auf Sex haben als Männer halte ich sowieso für ein riesiges Klischee, aber dazu komme ich in einem anderen Post mal.

Was sich aber tatsächlich auffällig geändert hat: Ich sehe überall schöne Männer. An sich dachte ich immer, dass meine Uni und die Stadt, in der ich gerade wohne, nicht so sehr mit interessanten Männern gesegnet ist. Und entweder hat sich in meinem letzten Semester einiges an der Uni getan oder es liegt tatsächlich an mir. Jedenfalls habe ich mich des öfteren dabei erwischt dem ein oder anderen hübschen Exemplar hinterherzuschauen und mich immer wieder gefragt, wo die auf einmal alle herkommen.

Mir gefällt das irgendwie. Es ist ja nun nicht so, dass ich die am liebsten alle gleich für mich hätte oder mehr möchte. Es reicht schon der Gedanke „Ach ja, nett…“, ein Lächeln und dann weiter gelernt. Eben einfach nur weil sie schön anzuschauen sind. Und: Irgendwie fühle ich mich dadurch weiblicher. Ich spüre mich und meine Lust. Das hat in erster Linie also gar nicht einmal unbedingt was mit den Männern zu tun, die ich anschaue, als viel mehr mit mir selbst. Ich mag das.

Und zum Schluss noch ein Beitrag des SRF dazu, ob auch schon junge Frauen die Spirale zur Verhütung nutzen sollten.

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Gutenachtgeschichten

Fernbeziehungen und Sex. Ein leidiges Thema. Telefonsex, heiße Videotelefonate per Skype, schön und gut. Aber selbst, wenn ich dem anderen dabei zusehen darf, wie er sich selbst berührt, von meinen Worten und den Bildern erregt wird, schafft es diese Art der Synchrononanie nie das, was guten Sex eigentlich ausmacht: sich selbst und alles drum herum zu vergessen, ganz bei sich und mit dem anderen zu sein. Die Internetverbindung hakt zwischendurch, dann ist der Ton weg und so richtig vorteilhaft will die Webcam einen auch nie richtig zeigen. Keine Frage, es kann unheimlich sexy sein, die Vorstellungen des anderen zu hören – aber bitte ohne all das Rauschen im Hintergrund.

Mit meinem Exfreund, der damals für ein Semester im Ausland war, habe ich eine schöne Alternative dafür gefunden: Gutenachtgeschichten. Abwechselnd haben wir uns kleine erotische Geschichten ausgedacht und geschickt. Mit uns als Hauptdarstellern und in Situationen, die so eintreffen konnten, wenn wir erst wieder an einem Ort waren. Ziemlich schnell setzten wir es uns deshalb zum Ziel jede der Geschichten in die Tat umzusetzen, sobald wir wieder vereint waren. Das machte das Ganze noch ungleich viel spannender und erzeugt eine unsagbare Vorfreude. Allein das Schreiben ließ den anderen schon näher erscheinen. Phantasien blieben nicht nur im Kopf, sondern kamen aufs Papier und wurden geteilt. Noch schöner war das Lesen einer Geschichte. Zu lesen, welche Berührungen, dem anderen besonders gefielen, welcher kleine Anblick, der andere beim Sex genießt und einen Einblick in die Wünsche des anderen zu bekommen. In mancher Hinsicht war dieses Schreiben sogar noch viel intimer als nur zu genießen; dem anderen den eigenen Blick auf den Sex zu gewähren. Nicht nur, was die eigenen Vorlieben und Wünsche sind. Sondern tatsächlich, wie es sich anfühlt, was man denkt, in den Momenten, in denen man kaum noch etwas denkt. Und genauso ist es unheimlich schön, die Sichtweise des anderen zu lesen. Zu lesen, wie sehr man begehrt wird, welcher Blick des anderen auf einen selbst erregt, wie einzelne, ganz kleine Berührungen wahrgenommen werden.

In diesem Sinne; eine gute Nacht(-geschichte).

Sex in seinen schönsten Farben

Sex ist so, so spannend. Ich denke mir das immer wieder. Und ich bin verdammt gespannt, was da noch alles auf mich wartet, irgendwo schlummert und entdeckt werden will. Vor etwa drei Jahren habe ich zum Beispiel das erste Mal eine Farbe gesehen während eines Orgasmus. Im Moment des Kommens ein leuchtendes Rot oder ein tiefdunkles Violett. Genau erklären konnte ich mir das nicht. Aber weiter nachgeforscht habe ich nicht, woher das denn kommen könnte. Ich konnte halt sagen, welche Farbe der Orgasmus hatte. Das war merkwürdig, schön und spannend zugleich. Dass bei manchen Leuten jede Zahl eine bestimmte Farbe hat, hatte ich schon gehört. Wieso also nicht auch meine Orgasmen? Aber auch nicht jeder Orgasmus hat seit dem eine Farbe. Oft sind es die intensiven, die komplett unkontrollierten, die man, selbst wenn man wollte (Konjunktiv!), nicht mehr unterdrücken könnte. Irgendwann kamen dann Texturen dazu (ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Ausdruck dafür ist. Im Englischen gibt es das Wort texture, das definitiv beschreibt, was ich meine; die Struktur, Beschaffenheit, Oberfläche der Farbe, so in etwa, wie wenn man sagen wollte, wie ein Stoff aussieht). Erklären lässt sich das zwar schlecht, aber in meinem Kopf entsteht ein genaues, wenn auch schwer greifbares, Bild.

Bis ich den Blogeintrag „Sex on Synaesthetica“ auf Nerdcore gelesen habe, hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, dass es auch anderen Menschen so gehen könnte. Aber ganz offensichtlich gehöre ich damit wohl zu den Leuten, die synästhetische Erfahrungen haben; Situationen, in denen zwei Sinneswahrnehmungen miteinander verknüpft werden. Beispielsweise Zahlen hören, Musik schmecken – und scheinbar auch Orgasmen sehen. Noch spannender: Selbst dieses „Sehen“ während der Orgasmen scheint sich weiter zu entwickeln. So habe ich vor einem Jahr zum ersten Mal ein richtiges Bild gesehen, eine Szenerie wie auf einem Foto. Es war eine Straßenkreuzung, ganz banal. Ich kannte die Straßenkreuzung. Ich bin in der Zeit öfter dort vorbeigefahren. Nie aber hätte ich diesen Ort mit etwas Erotischem – oder sonst einer bestimmten Erinnerung oder Erfahrung – verbunden; eine einfache Straßenkreuzung. Weshalb also diese Assoziation, ist mir rätselhaft. Es ist bislang das einzige Bild und seit dem einige Mal wiedergekehrt. Sobald es sich vor mein inneres Auge schiebt, weiß ich dann, dass sich ein Orgasmus anbahnt.

In dem Blogpost heißt es: „Laut der Studie hat sich schon früher gezeigt, dass sexuelle Stimulation Auslöser von synästhetischen Erfahrungen bei Nicht-Synästheten sein kann und darüber hinaus haben Synästheten einen höheren sexuellen Appetit, sind allerdings auch etwas frustrierter, da die Partner nicht dieselben bewusstseinserweiternden Erfahrungen machen.“ Ganz offensichtlich scheint Sex bei mir synästhetische Erfahrungen zu triggern. Im Alltag habe ich noch nichts in diese Richtung erlebt, obwohl es mir schon immer leicht fiel Assoziationen zu finden – vor allem was Gerüche angeht. Über einen hohen sexuellen Appetit verfüge ich auch. Das stimmt. Ich weiß nur nicht, ob das denn tatsächlich mit den synästhetischen Erlebnissen zu tun hat. Auch bevor ich Farben gesehen habe, mochte ich Sex. Auch wenn ein Orgasmus keine Farbe hat, kann er ein großer sein. Mir scheint, dass sich das viel mehr umgekehrt bedingt. Weil ich Lust und Spaß an Sex habe, mich fallen lassen kann, erlebe ich vielleicht intensiver, fällt es mir nicht so schwer Orgasmen zu bekommen. Und natürlich habe ich mehr Lust auf etwas, das mir durch und durch Spaß macht. Deshalb verstehe ich den letzten Punkt im Zitat auch nicht ganz. Wieso frustrierter? Klar, wenn einer von beiden den Sex intensiver erlebt, wünscht er sich für den anderen ein ähnlich tolles Gefühl. Bleibt das aus, ist die eigene Erfahrung auch nur noch halb so schön. Bislang hatte ich aber immer das Gefühl – und habe das auch so gesagt bekommen – dass die Männer, mit denen ich geschlafen habe, merken wie sehr ich genieße und es dadurch selbst viel mehr tun. Auch wenn ich tatsächlich noch von niemandem gehört habe, welche Farbe sein Orgasmus hatte. Das wäre sicherlich ein schönes Feature, aber auch wenn es interessant und spannend ist die Farbe und Textur eine Höhepunkts zu sehen, aber es macht den Sex oder Orgasmus an sich nicht toller.

Trotzdem: Es macht Spaß. Und ich bin gespannt, ob es noch mehr Bilder werden oder sie häufiger und in anderen Situationen ausgelöst werden können.

In diesem Sinne; vielleicht bald mit noch mehr Sinnen.

Die Frage nach der Zahl

Irgendwann kommt sie. Die Frage nach der Zahl. Danach, wie viele schon vorher das geteilt haben, was so Besonders scheint. Erst wird im Kopf überschlagen. Hier ein Exfreund, da die Affäre, von der erzählt wurde. Und wie viele hat es wohl gebraucht, dass diese Handbewegung so gut sitzt, um sich so Fallenlassen zu können? Und selbst, wenn sie nicht ausgesprochen wird, ist da die Frage: Wie viele waren schon vor mir dort? Mit wie vielen Männern hast du geschlafen? Wer noch kennt den Geruch deiner Haut nach dem Sex? Wer weiß, wie du aussiehst, wenn du stöhnst?

Aber wieso ist das wichtig? Eigentlich wollen wir das doch gar nicht wissen. Mir selbst wurde die Frage ein paar Mal gestellt. Glücklicherweise nicht allzu oft. Ich mag die Frage nicht. Sie suggeriert, dass es eine richtige Antwort gäbe. Einen Standardwert, den man haben dürfe. Oder als sei die Antwort eine Erklärung für das, was ist, wie es ist. Als könne man mit der Antwort etwas anfangen, als sei man dann schlauer. Letztlich kommen mit der Antwort nur noch mehr Fragen. Wie sehen die Gesichter zu den Nummern aus? Und welche Bedeutung hatten sie?

Ich habe die Frage nie beantwortet. Weil ich sie, wenn ich ehrlich mit mir bin, selbst nicht beantwortet haben möchte. Weil jeder, der vorher da war, für unseren Kopf eine Person zu viel ist. Natürlich gab es vorher jemanden, gab es mehrere. Das ist klar. Es gab flüchtige Bekanntschaften und die große Liebe, es gab die enttäuschende Nummer und den bis dahin besten Sex. Von den wichtigen Personen wurde mit großer Wahrscheinlichkeit erzählt. Nicht vom Sex sondern von ihrer Bedeutung für den Anderen, von den Verletzungen, der Erfahrung, den Fehlern und Hoffnungen. Mehr müssen wir nicht wissen. Es gibt einen Grund, weshalb man jetzt derjenige ist, der das Bett teilen darf. Und auf den kann man vertrauen und genießen, was schön ist. Ganz einfach.

Ich plädiere für die Verweigerung einer Antwort! Weil sie vollkommen irrelevant ist.

In diesem Sinne; still genießt es sich manchmal noch etwas besser.