Über den Anfang und das Ende von Begierde

In Beziehungen wollen wir am liebsten die eierlegende Wollmilchsau: Vertrautheit und Spannung, großartigen Sex und liebevolle Zuneigung, Freundschaft, Leidenschaft, Fürsorge und Sicherheit. Gar nicht so einfach – weder sich das permanent alles zu wünschen und schwerlich irgendwann zufrieden zu sein, noch das Gefühl zu haben der Partner/die Partnerin möchte all das von einem selbst.

Die belgische Psychotherapeuthin Esther Perel beschäftigt sieht guten Sex in einer Partnerschaft gefangen in einem Widerspruch: Auf der einen Seite das Bedürfnis nach Sicherheit, auf der anderen das nach Überraschung.

Feuer braucht Luft – und Begierde braucht Raum. Eigentlich wussten wir das implizit ja schon immer. Und vielleicht ist Zeit, sich einzugestehen, dass Egoismus (selfishness) – oder vielleicht nennen wir es besser Selbstliebe – wichtiger ist als sein Ruf. Jede*r, die schon einmal einen Orgasmus hatte, der in andere Spähren trägt, kennt die Essenz dafür eigentlich:

„The ability to stay connected to oneself in the presence of another.“

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Melodisches Porno-Kaleidoskop

Eine wahre Sehlust für große Kinder: Da verschmelzen rosafarbene Haut, stöhnende Frauenmünder und rekelnde Bein im Takt ineinander. Für das neue Musikvideo der Band Meteor hat der Pariser Martin Sek Ausschnitte aus Pornos zusammengetragen und sie in spielerische Fragmente eines Kaleidoskops verpackt. Der Künstler hatte mit Sicherheit einige Freuden bei der Arbeit – und definitiv ein paar Ständer.

Dabei bleibt im Video vieles nur angedeutet. Nichts wird explizit gezeigt. Nur ein paar Brustwarzen tanzen hier und da mal durch das Bild. Genau mit dieser spielerischen Art lockt Sek das Vorstellungsvermögen und die Freude bei dem Betrachter oder der Betrachterin hervor. Eine schöne Form der erotischen Kunst bei all dem Hau-drauf-Porno, der kaum Platz für Phantasie lässt.

Der Band wird das Video sicherlich zu einigen Klicks verhelfen – aber ob bei dem Video wirklich noch jemand auf die Musik achtet? I doubt it.

Einziges Manko: Ich sehe nur Frauen. C’mon! Wir leben im 21. Jahrhundert – und ja, Männer können auch ganz hübsch anzuschauen sein.

Schmankerl aus dem Web Nr. 5

Das Leben eines Pornostars – Beckenbodentrainung und Anal-Bleaching (Was zur Hölle!? werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen. Ja, das gibt es wirklich. Dabei soll die dunklere Haut um den Anus herum ähnlich rosa wie den Rest machen. Vorwiegend wird das im Pornobereich gemacht – klar, so eine rosa Rosette ist vielleicht etwas appetitlicher, als das natürliche Pendent. Aber ernsthaft? Liebe Freunde des gepflegten Pornokonsums, denkt beim nächsten mal daran und macht euch keine Gedanken darüber, ob eure Färbung in Ordnung ist oder unnatürlich dunkel. Wer sich nun fragt, wie das Ganze aussieht; Wikipedia stellt sogar Bilder zum Vergleich bereit – interessant, dass das keine Alterssperre hat. So, aber darum geht es eigentlich in keinem Wort) oder joggen und Gassigehen mit dem Hund? Funktioniert daneben eine Beziehung? Und wie Umgehen mit Reaktionen anderer Menschen auf den eigenen Job? Und wie viele Filme macht man so in einem Jahr? Jessica Drake erzählt im folgenden Podcast davon.

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Sex in Zeiten des digitalen Fortschritts und der Robotisierung: Olivia Solon hat für wired Sexting mit einem Roboter ausprobiert und schreibt wunderbar amüsant über Sext Adventure.

– Dass in Japan vor einiger Zeit ein Kondomkochbuch rausgekommen ist, habt ihr vielleicht schon mitbekommen. Interessant finde ich, dass der Autor damit „auf die Gefahren vor ungeschütztem Geschlechtsverkehr hinweisen: Sexuell übertragbare Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften“ hinweisen will. Ob Zweckentfremdung und Essen dazu anregt über Geschlechtskrankheiten nachzudenken? I doubt it. Mediale Aufmerksamkeit hat er damit aber zumindest erzeugt.

Bekommen Jugendliche ein falsches Bild von Sex und Zuneigung, weil es schon früh durch leicht zugängliches Material aus dem Internet geprägt ist? Die Zeit hat vor einer Weile vier Jugendliche nach ihrer Meinung und Erfahrung mit Pornos befragt. Interessant, dass den meisten dabei vollkommen bewusst zu sein scheint, dass es sich nicht gerade um eine möglichst realitätsnahe Darstellung handeln muss.

Ein Wiedersehen mit dem/der Ex: „Und was machst du jetzt so? Geht’s dir gut“ – „Ja, alles super.“ und am Ende landet man dann vielleicht doch noch mal im Bett. Ali Vingiano hat das Ganze in ihrem Kurzfilm „Exes“ untertitelt: Was wir sagen, was wir denken.

Schmankerl aus dem Web Nr. 4

– Porno kann toll sein. Das habe ich hier ja schon des Öfteren erwähnt. Aber es ist eben auch eine Industrie, in der es um Wettbewerb und Leistung geht. Und da wird eben gern mit allen Mitteln nachgeholfen. So ist es nicht verwunderlich, dass in erster Linie Männer zu potenzsteigernden Mitteln wie Viagra greifen. Das Problem an der Sache: Diese Potenzmittel können abhängig machen und sogar bis zur Krankenhauseinweisung führen, wenn man zu viel davon nimmt, wie in diesem Artikel auf thefix.com berichtet wird. Ganz schön hart..
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– Aber nicht nur Männer können dem Körper mit Hilfsmitteln auf die Sprünge helfen. Ist frau mal nicht feucht genug oder wird wieder mal etwas länger gespielt, greifen wir gerne mal zum Gleitgel (genauso wie Männer natürlich auch). Für wahre Freunde des Genusses gibt es das Ganze jetzt auch mit Bacon-Geschmack. Da kann man nun wirklich von Fleischeslust sprechen..
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– Und zum Schluss ein bisschen Werbung. Oder doch eher Kunst:
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Schmankerl aus dem Web Nr. 3

Diesmal mit vielen starken Frauen.

– Liebeserklärungen an Frauen, die sie begeistern und inspirieren, sammeln die beiden Bloggerinnen Meg und Andrea in ihrem Blog „Got a girl crush“. Hat zwar nur bedingt mit Erotik zu tun. Aber auf mich haben starke und selbstbewusste Frauen immer eine enorme Anziehungskraft – auch wenn ich nicht lesbisch bin. Und ich glaube, wer selbstbewusst ist, weiß was er mag und hat keine Scheu das auch zu sagen.

– Weiblichkeit ist keine Frage des Alters. Die 86-jährige Baddie Winkle ist dafür ein Beweis. Die Urgroßmutter hat Twitter für sich entdeckt. Ihr Motto: „Stealing your man since 1928.“

– Auch wenn ich viel über den Genuss von Erotik, dem Mann- und Frausein schreibe, ist es wichtig, sich ab und zu in den Kopf zu rufen, wie fragil diese Unbeschwertheit ist. In ihrem Blog „Wenige Sekunden“ schreibt eine junge Journalistin anonym darüber, wie sich von einem Mann überwältigt wurde. Er schaffte es nicht sie zu vergewaltigen. Ihre Schreie haben ihn verjagt. Das war ihr Glück. Ihr Leben hat er trotzdem schwerer gemacht – das Gefühl von Sicherheit ist angeknackst. Das Schreiben hilft ihr zu verarbeiten. Damit bricht sie auch die Mauer des Schweigens, die viele Frauen, die etwas derartiges erleben, oft um sich aufbauen.

Alles nur gespielt

Auf der Kinoleindwand sieht Sex meistens unheimlich erotisch aus. Das in Wahrheit harte Arbeit und eine ordentliche Prise Humor dazugehört, kann man sich eigentlich denken. Ich hab trotzdem immer gedacht, dass es zwischen den Schauspielern beim Dreh mächtig geknistert haben muss, wenn eine Szene im Film besonders erotisch war.

Das Video zeigt, wie eine Sex-Szene im Film Stretch (den Trailer gibt’s hier) entstanden ist – natürlich mit Kunstschweiß.

Schmankerl aus dem Web – Nr. 2

  1. In letzter Zeit wurden immer wieder Nacktfotos von Promis geleakt. Die Künstler vom Projekt UNfappening begegnen der Schaulust mit einem coolen Projekt und jeder Menge Witz: Kreativ werden blanke Busen und entblößte Popos mit Kunst bedeckt (siehe Beitragsbild). Wer mehr – oder eben weniger mehr – sehen will, gelangt hier zur Website.
  2. Bubble Porn hingegen lässt Menschen nackt aussehen, die es gar nicht sind. Auf YouTube finden sich einige Videos, die zeigen, wie leicht sich unser Gehirn austricksen lässt – und wie schnell wir auch dort Sex sehen, wo gar keiner ist. Einfach ein bisschen Farbe über eine Frau im Bikini und schwupps ist sie nackt. Funktioniert nicht? Schaut’s euch selbst an.
  3. „This is the woman I want to enter my balls in for the rest of my life.“ – Interessante Liebeserklärung. Ein Pärchen erzählt davon, wie es sich kennen und lieben – äh ficken – gelernt hat. Ein grandiose Parodie auf Pärchen, die über ihre Liebe schwadronieren gibt’s hier.

In diesem Sinne viel Spaß beim Anschauen!

Quelle Beitragsbild: http://www.theunfappening.com

Sex als Ausdruck von Einsamkeit

Jeden Tag mit einem anderen Mann schlafen, ein Jahr lang. Das ist das Kunstprojekt des 26-jährigen Russen Mischa Badasyan. Es ist ein Projekt das provoziert. Vergangene Woche konnte man in den großen Nachrichtenportalen darüber lesen und die Meinungen dazu sind – wie zu erwarten – sehr gespalten. Die einen beschweren sich darüber, dass eine Stiftung, wie die Heinrich-Böll-Stiftung, so ein Projekt finanziert andere sehen begeistert von dem Mut.

In einem Interview mit Welt-Online erzählt Badasyan, der seit sechs Jahren in Deutschland lebt, sein Projekt handle in erster Linie von Einsamkeit. Er selbst habe noch nie einen festen Freund gehabt. Für ihn sei Sex auch ein Ausdruck von Einsamkeit. Menschen, die viel Sex hätten, seien nicht per se einsam. Wenn man zu zweit und in einer festen Partnerschaft sei genieße man zu zweit. Wenn man viel Sex mit vielen verschiedenen Menschen hat, ist man letztlich doch allein. Er sagt: „In dem Moment des Aktes hat man zwar Spaß und ist erregt, aber danach ging es mir persönlich oft schlecht. Ich habe lange geweint, weil mir von diesem kurzen Moment nichts mehr blieb.“

Ich möchte das einfach mal so im Raum stehen lassen.Hier geht’s zum Interview für alle, die mehr wissen wollen.